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Vom leisen Verschwinden

Eine Objekt-Installation von Iris Kamlah und Gloria Keller

Die Leselust der Menschen ist ungebrochen. Dennoch wirkt sich die rasante Entwicklung der elektronischen Medien in vielfältiger Weise auf das Leseverhalten aus. E-Books punkten mit hoher Speicherkapazität, Hörbücher sind bereits im Vorschulalter der Renner, und die schnelle Schlagzeile ist jederzeit im Netz abrufbar.

Verschwindet daher in naher Zukunft das gedruckte Buch?

In der Objekt-Installation „Vom leisen Verschwinden“ von Gloria Keller und Iris Kamlah wird diese Frage visualisiert. Als Fragmente des realen und gedruckten Buches trifft der Betrachter hier auf geschredderte Buchseiten, die ganz unterschiedlich präsentiert werden.

Auf der schwarz gestalteten Leinwand von Iris Kamlah prangt ein großer fiktiver Strichcode, zusammengesetzt aus einzelnen, schmalen Papierstreifen eines geschredderten Buches. Dieser Code verweist auf unseren von der Elektronik bestimmten Alltag, in dem das gedruckte Buch mehr und mehr verschwindet und E-Books, Hörbücher oder Online-Zeitungen zunehmend Platz gewinnen.

Vor der Leinwand setzen sich die Plexiglas-Objekte von Gloria Keller in den Raum fort. Auch sie beinhalten Papierfragmente in Form geschredderter Buchseiten. Das gedruckte Wort präsentiert sich hier symbolisch „gefangen“, zwar optisch präsent, doch - da vom Kasten umschlossen - gleichermaßen isoliert von seiner Umgebung. Zur Raummitte hin stetig flacher werdend, scheinen die gläsernen Quader zunehmend im Boden zu verschwinden.

Den Schlusspunkt bildet ein aufgeklappter Buchdeckel. Ohne Buchseiten, quasi „inhaltslos“, steht auch er für ein Relikt vergangener Zeiten.